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Mühlviertel Magazin Mai 2021

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24 | REPORTAGE

24 | REPORTAGE Mai 2021 | MÜHLVIERTEL-MAGAZIN Bezirksjägermeister Franz Burner: „Jagen ist viel mehr als nur Schießen“ Schon als Kind ist er mit seinem Vater auf die Pirsch gegangen, seit 47 Jahren hat er selbst den Jagdschein: Franz Burner ist aber nicht nur Jäger mit Leib und Seele, sondern vor allem auch Heger. Franz Burner Alter: 66 Wohnort: Treffling/Engerwitzdorf Beruf: pensionierter Landwirt Aufgaben (u. a.) als Bezirksjägermeister • Ausbildung der Jungjäger • Schnittstelle zu den Behörden • Mitglied im Bezirks- und Landesjagdausschuss • Begutachtung von Schadensfällen Bedächtig und leise geht Franz Burner entlang der Mauer seines Bauernhofs und wirft einen vorsichtigen Blick um die Ecke. Drei Rehe, ein Bock und zwei Geißen, stehen nur knapp 100 Meter entfernt am Feld und äsen. Sie heben immer wieder den Kopf und halten nach möglichen Bedrohungen Ausschau. Von Franz Burner haben sie heute nichts zu befürchten – noch ist Schonzeit. Der oberste Jäger des Bezirks Urfahr-Umgebung beobachtet die Tiere, die ihn nach einiger Zeit auch wahrnehmen und den Sicherheitsabstand um ein paar Meter vergrößern. „Sie werden gleich wieder stehen bleiben und weiter fressen“, kündigt der 66-jährige pensionierte Landwirt an – und soll recht behalten. Rund um seinen Bauernhof nahe der Ortschaft Treffling in der Gemeinde Engerwitzdorf tummeln sich nicht nur Rehe, sondern auch etliche andere Wildtiere: Ein prächtiger Fasan ist auf Futtersuche in der Wiese, ein Hase hoppelt über das Feld und sucht Schutz im nahen Unterholz. Das ist aber leider nicht mehr überall so, bedauert der Bezirksjägermeister: „Vor allem dem Niederwild – also zum Beispiel Hasen, Rebhühnern oder dem Fasan – ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr Lebensraum verloren gegangen.“ Landschaftselemente wie Hecken, extensiv bewirtschaftete Flächen oder kleine Feucht-Biotope seien mit dem Wandel der Landwirtschaft zunehmend verschwunden – und damit auch ihre tierischen Bewohner. Jäger pflanzen Hecken an Den Bauern will Franz Burner aber keinen Vorwurf machen: „Die Art der Bewirtschaftung hat sich eben verändert in den letzten Jahrzehnten, ebenso wie das Klima. Viele Bauern unterstützen uns aber dabei, wieder mehr Lebensräume für das Niederwild zu schaffen.“ Viele Jäger versuchen, an geeigneten Standorten Schlupfwinkel für das Wild zu schaffen. Etwa, indem sie Sträucher und Hecken anpflanzen – auf eigene Kosten und mit dem Einverständnis der Grundbesitzer. Das mache man aber nicht, um wieder mehr Tiere erlegen zu können, stellt Franz Burner klar. „Bei der Jagd geht es um viel mehr als nur das Schießen. Es geht vor allem um die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts in unserer Kulturlandschaft. Und diese Lebensräume sind einfach enorm wichtig für ein intaktes Ökosystem.“ Aufforstungen stärker bejagen Tiere zu erlegen gehört aber auch zu den Aufgaben eines Jägers. Schließlich habe man auch einen behördlichen Auftrag zu erfüllen und soll Abschussquoten erreichen, sagt der Bezirksjägermeister. Gäbe es etwa zu viele Rehe, würden sie viele junge Bäume verbeißen und schädigen: „Auf den Waldflächen, die durch Stürme oder durch den Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen worden sind, muss man

MÜHLVIERTEL-MAGAZIN | Mai 2021 25 | REPORTAGE Fotos: M. Enzenhofer_muehlviertel-magazin.at den Wildbestand entsprechend kontrollieren. Die Aufforstungsflächen muss man stärker bejagen, damit dort wieder etwas wachsen kann.“ Raubwild wie Fuchs oder Marder haben kaum natürliche Feinde in unseren Breiten. Würde man sie nicht entsprechend bejagen, hätte das wiederum negative Folgen für andere Tiere: „Wenn es zu viel Raubwild gibt, hat es das Niederwild noch schwieriger als ohnehin“, erklärt Franz Burner. Im Norden des Bezirks sei zudem auch die Niederhaltung des Schwarzwilds, also der Wildschweine, wichtig. Vor allem im Grenzgebiet zu Tschechien würden immer wieder Rotten für teilweise beträchtliche Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen sorgen. Und auch die Schweinepest könnte sich womöglich auch auf Österreich ausbreiten, wenn hier die Jägerschaft nicht eingreifen würde. Größtmöglicher Respekt für Tiere Egal ob Reh, Raubwild oder Wildschwein: Die Einhaltung des Jagdethos ist für Franz Burner die oberste Prämisse. Dabei geht es ihm nicht nur um die ohnehin verpflichtende Einhaltung der jeweiligen Schonzeiten. „Man muss dem Tier immer den größtmöglichen Respekt entgegenbringen“, stellt Franz Burner klar: „Wenn man ein Stück Wild erlegt, dann muss das so schnell und schmerzlos wie möglich geschehen.“ Mindestens so wichtig und waidmännisch edel sei es aber, auch einmal auf einen Schuss zu verzichten. Trächtige Tiere zu schießen oder eine Fähe (weiblicher Fuchs), die womöglich ihre Jungen zu versorgen hat, kommt für den Bezirksjägermeister nicht in Frage. Auch dann nicht, wenn es jagdrechtlich gesehen erlaubt wäre. Anfang Mai, wenn die Schonfrist für die Rehböcke endet, wird Franz Burner aber sicher auf der Pirsch sein. Den entsprechenden Bock hat er sich schon ausgeschaut. Schießen wird er ihn aber nicht selber, sondern seine Frau, die die Leidenschaft zur Jagd mit ihrem Ehemann teilt. Und geschossen wird nur, wenn auch wirklich alles passt: „Nur weil am 1. Mai die Schonfrist endet, heißt das nicht, dass man unbedingt gleich abdrücken muss.“ Gut möglich, dass die Rehe also auch im Mai friedlich hinter dem Bauernhof auf Futtersuche gehen können. ♦ Michael Enzenhofer „Wenn man ein Stück Wild erlegt, dann muss das so schnell und schmerzlos wie möglich geschehen.“ FRANZ BURNER BEZIRKSJÄGERMEISTER Foto: E_Francksen_pixelio.de