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Mühlviertel Magazin April 2020

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12 | LOKALES

12 | LOKALES April 2020 | GUUTE MAGAZIN Erich Pröll und die Legenden des Wilden Westens Umringt von Pferden steht Erich Pröll mitten auf der Weide seiner Ranch in Hohenfurth. Er streichelt die Tiere, spricht mit ihnen, gibt ihnen hin und wieder Futter aus der Tasche seines Mantels. Hier, unweit der österreichisch-tschechischen Grenze, hat er sich einen Traum erfüllt und züchtet die legendären Wildpferde aus dem Wilden Westen – echte Mustangs. Der liebevoll restaurierte Bauernhof von Erich Pröll liegt abgelegen und idyllisch in den Ausläufern des Böhmerwalds, nur ein paar Kilometer entfernt von Hohenfurth. Die Gegend könnte durchaus als Filmkulisse dienen: Wälder umgeben die weitläufigen Weiden, Erich Pröll in der rustikal-gemütlichen Stube seines Bauernhofs. weit und breit sind keine Häuser zu sehen. Früher hätte es drei große Bauernhäuser hier gegeben, erzählt Erich Pröll. Diese seien aber nach dem Krieg gesprengt worden, das Dorf wurde von der Landkarte getilgt. Was für die Menschen damals eine Tragödie war, ist für die Natur ein Segen gewesen. Entlang des „Eisenernen Vorhangs“, im Niemandsland an der Grenze, entstand ein vom Menschen fast unberührter Raum, in dem sich Flora und Fauna ungestört entwickeln konnten. Und es ist der perfekte Ort, um Wildpferde zu züchten. „Es ist eine wunderschöne Gegend und optimal für die Mustangs hier. Es ist fast wie in ihrem ursprünglichen Lebensraum in Nordamerika“, schwärmt Erich Pröll. Vor etwa 25 Jahren hat er das verfallene Haus mit 45 Hektar Grund gekauft. In den ersten Jahren sei er selbst kaum hier gewesen, sondern hat das Anwesen für Ferienlager von Heimkindern zur Verfügung gestellt. Vor etwa 15 Jahren habe er schließlich begonnen, das verfallene Haus zu renovieren. „Ich wollte hier ein paar meiner Western­Pferde einstellen. Geträumt habe ich immer von Mustangs, allerdings sind meine Anträge immer wieder abgelehnt worden“, erzählt Pröll. Als erster Nicht-Amerikaner Mustangs ersteigert Erst nach jahrelangen Bemühungen gelang es ihm, als erster Nicht­Amerikaner Mustangs direkt aus der Wildnis zu Fotos: M. Enzenhofer

GUUTE MAGAZIN | April 2020 13 | LOKALES adoptieren. Die legendären Wildpferde des Wilden Westens leben dort in freier Wildbahn. Zur Bestandskontrolle werden jedes Jahr tausende Tiere eingefangen und anschließend versteigert. Das ist eigentlich amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten, doch mit Beharrlichkeit und auch durch seine Kontakte, die er beim Drehen für seine Dokumentarfilme geknüpft hatte, gelang es Pröll, die scheinbar unüberwindbaren bürokratischen Hürden zu überspringen und an einer Versteigerung teilzunehmen. 2011 adoptierte er Hengst „Rock“ und zwei Stuten. Für ein Jahr mussten die Pferde auf einer Ranch in Wyoming bleiben, wo sie geimpft und trainiert wurden. Alles unter Kontrolle der amerikanischen Behörden. 2012 war es soweit: Erich Pröll bekam die offizielle Urkunde, die ihn zum Besitzer der Pferde machte. Nach 30 Tagen Quarantäne und unter viel Aufwand konnte Pröll seine Mustangs nach Europa bringen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit in Goldwörth bezogen sie schließlich ihr neues Quartier in Südböhmen. Später folgten noch zwei weitere Stuten aus Amerika, die die kleine Herde ergänzten. Natural Horsemenship Mittlerweile hat es schon ein paar Mal Nachwuchs gegeben, die Herde ist auf aktuell elf Pferde angewachsen. Einige Tiere hat Erich Pröll auch bereits weiterverkauft, allerdings nur an ausgewählte Personen. Denn das Umfeld, in dem die Tiere leben, ist dem Pferdeliebhaber außerordentlich wichtig: „Ich schaue mir genau an, wo die Mustangs hinkommen. Sie müssen dort viel Frei­ raum haben, um artgerecht leben zu können.“ Bei der Haltung und Ausbildung seiner Mustangs setzt Pröll ausschließlich auf sanfte Methoden, in Amerika auch „natural horsemenship“ genannt: „Es ist wichtig, dass die jungen Pferde nicht gebrochen werden und keine negativen Erfahrungen machen, denn das merken sie sich ein Leben lang.“ Spielerisch und mit viel Geduld bildet der Dokumentarfilmer seine Pferde selbst aus: „So entsteht eine vertrauensvolle Bindung zwischen Mensch und Pferd, die ein Leben lang hält.“ Zweite Heimat Böhmerwald Wenn er nicht gerade auf Filmreise ist, verbringt Erich Pröll zwei bis drei Tage pro Woche auf seiner Ranch im Böhmerwald. „Bei Schönwetter und wenn ich mehr Zeit habe bin ich auch öfter hier“, sagt der gebürtige Linzer. Übernachtet habe er aber bisher noch keine zehn Mal in seinem renovierten Bauernhof. Das soll sich aber ändern: „Ich werde mir einen Video­Schnittplatz einrichten, damit ich auch von hier aus arbeiten kann.“ Seine Ranch in Hohenfurth ist bereits so etwas wie seine zweite Heimat geworden. Dafür haben nicht nur die wunderschöne Gegend und die Natur gesorgt: „Ich wurde sehr gut aufgenommen und kenne schon sehr viele Menschen hier“, schildert Pröll. Er kann sich auch gut vorstellen, seinen Hof, die Pferde und die Umgebung einmal zum Thema in einer seiner Dokus zu machen: „Das würde mich sehr reizen. Ich bin bereits auf der Suche nach einer tollen Geschichte.“ Für die einzigartige Kulisse ist auf der Ranch von Erich Pröll ja bereits gesorgt. ♦ Michael Enzenhofer Erich Pröll... ... wurde 1949 in Linz geboren und lebt heute auf einem Bauernhof in Goldwörth (Urfahr-Umgebung). Schon in seiner Kindheit beschäftigte er sich mit Tieren, züchtete etwa Schmetterlinge, Mäuse sowie Meerschweinchen und hatte zahlreiche Haustiere. Mit 17 Jahren absolvierte er eine Tauchausbildung und machte die ersten Super-8-Filme von seinen Exkursionen in den Mittelmeerraum, die er auch bei Vorträgen zeigte: Ein Hobby, das er schnell zum Beruf machen konnte. Mittlerweile hat Pröll etwa 150 Dokumentarfilme für den ORF („Universum“, „Wilde Reise mit Erich Pröll“), ServusTV („Terra Mater“), die BBC und weitere TV-Stationen auf der ganzen Welt gedreht. Außerdem war er über 30 Jahre lang Ausstellungsleiter im Linzer Stadtmuseum „Nordico“ für natur- und völkerkundliche Ausstellungen. Seine Hobbies decken sich auch heute noch weitgehend mit dem Beruf als Dokumentarfi lmer: Seine größten Leidenschaften sind reiten, tauchen und filmen. Erich Pröll und seine Mustangs vor dem liebevoll renovierten Bauernhaus in der Nähe von Hohenfurth.