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Mühlviertel Magazin Dezember 2021 (Ausgabe 13)

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16 | WIRTSCHAFT

16 | WIRTSCHAFT Dezember 2021 | MÜHLVIERTEL-MAGAZIN VORWEIHNACHTLICHER LOCKDOWN WKOÖ mahnt rasche Umsetzung der Hilfsmaßnahmen ein Wie bereits im Jahr 2020 kam der neuerliche Lockdown seit Ende November für viele oö. Unternehmen zur Unzeit. „Gerade das Weihnachts- und Vorweihnachtsgeschäft ist für viele Betriebe wirtschaftlich gesehen die wichtigste Zeit im Jahr. Um das Überleben der Betriebe und die Arbeitsplätze in unserem Land nachhaltig zu sichern, braucht es jetzt schnelle, unbürokratische und vor allem wirksamere Wirtschaftshilfen“, fordert WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer mit Nachdruck Unterstützung für die Unternehmen. Von der Regierung wurden erfreulicherweise bereits Wirtschaftshilfen zugesagt, wobei eine dringende Anpassung gefordert wird: „Die Vorgaben für den Umsatzrückgang müssen dringend geändert werden, zumal die derzeitige Grenze von 40 Prozent für die Betriebe im November nicht erreichbar sein wird. Dieser Wert muss daher, um wirklich wirksam zu werden, auf zumindest 30 Prozent gesenkt werden“, fordert die WKOÖ-Präsidentin. „Beim Härtefallfonds Phase 4 ist man unserer Anregung bereits gefolgt, sodass nur für November und Dezember 2021 ein Umsatzrückgang von 30 Prozent ausreicht“, freut sich Hummer. Neben der Grenze für den Umsatzausfall muss auch die Ersatzrate den wirtschaftlichen Gegebenheiten dringend angepasst werden. „Wir bringen laufend unsere bisherigen Erfahrungen und die Anregungen unserer Mitgliedsbetriebe ein, um die Unterstüt- WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer fordert die rasche Umsetzung der Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft ein. zungsleistungen möglichst treffsicher und wirksam zu machen“, sagt Hummer. Besonders wichtig ist ihr in diesem Zusammenhang, dass für Gründer und Jungunternehmen, aber auch für besondere Unternehmenssituationen sachgerechte Lösungen gefunden werden. Zum Schluss appelliert Hummer an alle Konsumenten, auf Onlineangebote der heimischen Betriebe zu setzen, möglichst regional zu kaufen und neue Formate wie „Click & Collect“ zu nutzen. So bleiben das Geld im Land, einzelne Arbeitsplätze sicher und das Sozialsystem finanzierbar. ♦ Anzeige Foto: Wakolbinger

MÜHLVIERTEL-MAGAZIN | Dezember 2021 17 | WIRTSCHAFT Foto: OÖ. Wirtschaftsbund GASTRONOMIE Das Personal wird zur Überlebensfrage Nach einem monatelangen Lockdown war die Gastronomie über den Sommer 2021 ein halbes Jahr lang geöffnet. Knapp vor Beginn der traditionellen Weihnachtsessen und Betriebsfeiern folgte der nächste Keulenschlag: Aufgrund von Corona gab es die nächste erzwungene Schließung. Der Sprecher der Wirte im Bezirk Urfahr, Karl Wögerer aus Feldkirchen, zieht im Gespräch mit dem Mühlviertel Magazin Bilanz und blickt in die Zukunft. „Viele Restaurants waren im Sommer überdurchschnittlich gut besucht, im urbanen Raum etwas weniger“, resümiert Wögerer und denkt dabei auch an die Kollegen in der Nachtgastronomie: „Sie sind besonders hart getroffen, denn sie konnten seit Beginn der Pandemie nie richtig offenhalten.“ Die staatlichen Hilfen passen für die Gastronomie, betont Wögerer: „Die Reduzierung der Umsatzsteuer auf fünf Prozent war die beste Unterstützung, die der Regierung eingefallen ist!“ Allerdings: Die Preissteigerungen bei den Rohstoffen sind nicht an die Kunden weitergegeben worden. Deshalb warnt der Wirtesprecher: „Sollte der Umsatzsteuersatz wieder auf 20 Prozent vervierfacht werden, würde eine Halbe Bier nicht mehr vier Euro, sondern 4,60 Euro kosten. Ob das unsere Gäste akzeptieren?“ Der ermäßigte Steuersatz soll nach seiner Ansicht bis Ende 2022 – wie in Deutschland – bei fünf Prozent bleiben und dann ab 2023 auf maximal zehn Prozent verdoppelt werden. Freude bei Karl Wögerer über den JULIUS-Award, der ihm von Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (re.) und WK-Obfrau Sabine Lindorfer überreicht wurde. Öffentliche Gelder zum Überleben So wichtig staatliche Förderungen und EU-Gelder derzeit sind, „alle Gastronomen wollen mit Hilfe der Gäste wirtschaftlich überleben“, ist er mit seinen Kollegen einig. „Unser wichtigstes Kapital sind Köche, Kellner und alle anderen Helfer.“ Je länger der Lockdown dauert, desto mehr sei zu befürchten, dass wieder Mitarbeiter in andere Branchen wechseln. „Bis zu 4.000 Leute könnten wir noch brauchen“, sagt Wögerer, der auch oö. Wirte-Sprecherund Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer ist. „Die große Überlebensfrage der Gastronomie wird in Zukunft sein, ob ein Betrieb genug Personal zum Aufsperren hat.“ Bezahlung und Wochenenddienst seien nicht die Hauptgründe für den Mitarbeitermangel, vielmehr die Work Life Balance – das Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben. Dies ist gerade für Jugendliche zum Lebensmotto geworden. Darauf müsse in Zeiten geburtenschwacher Jahrgänge verstärkt geachtet werden. Kurzarbeit macht Take Away möglich „Unser Wirtshaus ist auch jetzt für die Gäste da mit einem Take Away-Angebot“, nennt Wögerer eine wichtige Initiative seines Betriebes. Alleinstehende und Arbeiter sowie ganze Familien müssen von Dienstag bis Freitag nicht auf das à la carte-Essen aus dem Res- taurant verzichten. „Ein wichtiger Aspekt auch für die Mitarbeiter, besonders in der Küche, sie trotz Kurzarbeit zu halten. Von unseren 16 Mitarbeitern sind drei Lehrlinge; für sie ist es wichtig, so wenig Lehrzeit wie möglich zu Hause zu verbringen“, zeigt sich der Gastronom verantwortungsbewusst. Weil aber der Getränkeumsatz fehle, sei die Wirtschaftlichkeit nicht allzu hoch. Auszeichnung für Wögerers Wirthaus Mit dem JULIUS-Award des Wirtschaftsbundes OÖ wurde „Wögerers Wirtshaus Tradition seit 1868“ ausgezeichnet. „Die Freude über diese Anerkennung ist riesengroß“, sagte Inhaber Karl Wögerer bei der Überreichung. In diesem Gasthaus im Zentrum des Marktes Feldkirchen und am Donauradweg werden Tradition und Wirtshauskultur gelebt. Schließlich fungiert Karl Wögerer auch als Obmann der Kultiwirte Oberösterreichs – und das verpflichtet. Großartige Qualität und typische regionale Speisen ziehen sowohl die Einheimischen und auch viele Gäste an. Bei diesem Traditionswirtshaus handelt es sich um einen echten Familienbetrieb: Eltern, Kinder und Oma packen an. Karl Wögerer ist in seiner Heimatgemeinde Mitglied des Gemeinderates und auch Obmann des Tourismusvereines. ♦ -w. r.-