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Mühlviertel Magazin Juni 2020

20 | LOKALES

20 | LOKALES Juni 2020 | GUUTE MAGAZIN Der neue Bauernbunddirektor ist ein Mühlviertler An der Spitze des OÖ. Bauernbundes steht seit 1. Mai der Feldkirchner Ing. Wolfgang Wallner. Er löste Maria Sauer ab, die nach acht Jahren in die Privatwirtschaft gewechselt ist. Wallner kennt den Bauernbund und die brennenden Anliegen der 42.000 Mitglieder seit Jahrzehnten. WOLFGANG Wallner „Wie wichtig unsere Bauern für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sind, das haben viele Konsumenten während der Corona-Krise schätzen gelernt“, weiß der 48-Jährige, der mit seiner Frau Maria und seinen beiden Töchtern in Feldkirchen wohnt. Das Verständnis für die Landwirtschaft, die Arbeit und auch die Probleme habe sich sehr zum Besseren verändert. Der Ab Hof-Verkauf erlebt derzeit eine Blüte, die Konsumenten sind bereit, faire Preise zu bezahlen. Das Ringen um gerechten Lohn für bäuerliche Produkte ist ja zum Dauerthema geworden. Die virusbedingte Sperre in der Gastronomie und im Tourismus zum Beispiel wirkten sich sehr nachteilig auf die Erzeugerpreise bei Rindund Schweinefleisch aus. Dass sich die Bauern zu wehren wissen, das zeigten die Proteste der Milchproduzenten gegen Versuche einer Lebensmittelkette, die Butterpreise zu drücken. „Die Bauern sind gut organisiert, sie wehren sich mit Nachdruck, sie haben eine große Schlagkraft, sie halten zusammen“, betont der Bauernbunddirektor. Schädlinge bereiten Sorgen Ein weiteres großes Sorgenkind sind die Schäden in den Wäldern, die der Borkenkäfer an Fichtenmonokulturen verursacht. „2020 wird höchstwahrscheinlich wieder ein trockenes Jahr, der Schädling wird weiter sein Unwesen treiben“, weiß Wallner um den besorgniserregenden Ausblick. Das Schadholz schnell aus den Wäldern zu bringen ist die eine Aufgabe. Dann folgt gleich die zweite: Das Wiederaufforsten tausender Hektar teils kahler Waldböden mit klima- und schädlingsresistenter Mischkultur. Was die Bauern heute pflanzen, kann frühestens in zwei Generationen geerntet werden. Der große Anfall an Holz drückt auch die Preise stark. Eine weitere Gefahr sind Engerlinge, die ganze Wiesen bedrohen. Eine starke Kraft Der Bauernbund ist die mit Abstand größte Kraft in der Agrarpolitik. Diese Vormachtstellung soll bei den Landwirtschaftskammerwahlen im Jänner 2021 zumindest verteidigt werden – auch in den Orts- und Bezirksausschüssen. „Mit dieser Kraft im Rücken können wir viel für unsere Mitglieder erreichen“, blickt Direktor Wallner optimistisch auf den Urnengang. Er steckt mitten in der Organisation von Wahlen in die Bauernbundleitung auf Orts- und Bezirksebene. Landesobmann Landesrat Max Hiegelsberger sagt seiner neuen rechten Hand im Der Feldkirchner Wolfgang Wallner ist neuer Bauernbunddirektor. Bauernbund „Erfahrung und Hausverstand“ nach. Nach seiner Matura an der Höheren Bundeslehranstalt St. Florian begann Wallner seine berufliche Laufbahn in der Raiffeisenlandesbank OÖ; dort leitete er zehn Jahre den Agrarbereich. Von 2007 bis 2012 war er Chefredakteur der OÖ. Bauernzeitung. Die vergangenen zehn Jahre arbeitete Waller in der Raiffeisen-Konzernkommunikation. Im Bauernbund ist er seit 1995 im Netzwerk Agrar tätig und gehört seit 2003 dem Landesvorstand an. Tätigkeiten, bei denen er viele Erfahrungen für den Spitzenjob sammeln konnte. Aufgewachsen ist Wolfgang Wallner in einer Familie, in der Landund Forstwirtschaft den Alltag beherrschte. Sein Vater war der letzte Verwalter des Landesgutes Bergheim, ehe der Großteil der Gründe verkauft wurde. Schwester Ursula ist Direktorin der Landwirtschaftsschule Kleinreifling, der jüngere Bruder Thomas ist Forstwirt; er leitet die Gruppe Boden. Wasser.Schutz.Beratung in der Landwirtschaftskammer. In seiner Heimatgemeinde ist der begeisterte Flügelhornist Wolfgang Obmann der Musikkapelle und des Elternvereines Feldkirchen. ♦ -w.r.- Foto: Bauernbund

GUUTE MAGAZIN | Juni 2020 21 | EXPERTENMEINUNG DR. MAXIMILIAN SCHALLAUER EXPERTEN Meinung Nach dem Lock-down – Die letzten beiden Monate haben mich als Unternehmer und Freiberufler natürlich auch beruflich betroffen. Gleichzeitig schaue ich neugierig auf all das, was in der Gesellschaft passiert und versuche das alles möglichst ganzheitlich zu betrachten. Unterschiedliche Betroffenheit Die einzelnen Personengruppen unserer Gesellschaft waren vom Lock-down sehr unterschiedlich betroffen. Die einen mussten als Systemerhalter arbeiten wie zuvor (Danke!). Eltern waren oft doppelt belastet, weil sie plötzlich neben dem Homeoffice auch noch die Kinder zu beschulen hatten. Andere wiederum hatten bei relativ gesichertem Einkommen einfach frei und Stubenhocker konnten sich fast schon wie Helden fühlen, weil sie die Ausgehregeln so gut einhielten. Auch Paare und Familien waren gefordert, im intensiven Miteinander neu zusammenzuwachsen und neue Spielregeln zu entwickeln. Vielen Österreichern wurde in dieser Situation wahrscheinlich klar, wie wohltuend sich ein geordneter Alltag oder einfache Freiheiten anfühlen können. Selbst die Kinder freuten sich plötzlich wieder auf die Schule und viele Menschen auf ihre Kollegen und ihre Arbeit. Noch mehr wird die Normalisierung natürlich von jenen Berufsgruppen herbeigesehnt, die durch den Lock-down in ihrer Existenz gefährdet sind. Vor allem die vielen kleinen und mittleren Selbstständigen und Gewerbetreibenden drängen darauf, endlich wieder voll aktiv werden zu können. Dr. Maximilian Schallauer ist Unternehmensberater, Psychologe, Paartherapeut und Leiter des Zentrums für Beziehungsarbeit in Walding. Neustart nach Corona Das Hochfahren selbst wird nicht so schwer sein, auch wenn es in einigen Branchen etwas dauern wird. Vorteile werden sicher jene haben, die bereits vor der Krise zukunftsorientiert aufgestellt waren. In unserem Zentrum für Beziehungsarbeit haben wir beispielsweise bereits vor Jahren Online Paarberatung in unser Angebot aufgenommen, und so konnten wir während des Lockdowns auch Paare aus der Steiermark, aus Kärnten und Südtirol betreuen. Durch das verordnete Zurückfahren der sozialen Kontakte wurde vielen Menschen bewusst, welches Potenzial in den elektronischen Medien steckt, nicht nur fürs Vergnügen. Durch ein vernünftiges Maß an Homeoffice und digitaler Kommunikation werden viele Menschen auch in Zukunft weniger Sprit verbrauchen und weniger Zeit auf der Straße verbringen. Auch im Vertrieb wäre es schade, wenn unsere Unternehmer den Online Verkauf einfach Amazon und anderen internationalen Konzernen überlassen würden. Die nächste Krise kommt sicher, sie lässt sich in einer Zeit des ökologischen und technischen Umbruchs gar nicht vermeiden. Viele Menschen neigen leider dazu, im einmal gewohnten Trott weiterzuwerkeln bis es nicht mehr weiter geht. Die Corona Krise hat allerdings gezeigt, wie flexibel die Österreicher letztlich sind. Vielleicht hat uns Corona rechtzeitig wachgerüttelt und wir schaffen die nächste Kurve noch eleganter. ♦ DR. MAXIMILIAN SCHALLAUER