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Mühlviertel Magazin Mai 2022

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24 | WIRTSCHAFT

24 | WIRTSCHAFT Mai 2022 | MÜHLVIERTEL-MAGAZIN Hohe Unsicherheit drückt auf Stimmung im oö. Gewerbe Trotz einer starken Innovationskraft ist die Stimmung im heimischen Gewerbe derzeit eher gedämpft: Die Auswirkungen der Corona­Pandemie und der Ukraine­Krieg drücken auf die Stimmung. Die Stimmung in den heimischen Betrieben ist derzeit eher gedämpft. Foto: stock.adobe.com „Eigentlich hätte 2022 ein Jahr des Aufholens aus den pandemie-bedingten Rückschlägen werden können, der Problembereich Lieferketten samt den Preisanstiegen bei vielen Rohstoffen und Materialien hätte sich laut Wirtschaftsforscher im Jahresverlauf normalisieren sollen“, erklärt Michael Pecherstorfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine sei das jetzt aber Makulatur. „Die Preise für Energien gehen durch die Decke, viele Rohstoffe und Materialien sind knapp geworden und haben sich weiter verteuert und die Inflation ist auf einen seit Jahrzehnten nicht gekannten Wert geklettert“, sagt Pecherstorfer. Die schwierige Situation spiegelt sich auch in einer aktuellen Konjunktur- umfrage wider: Als größte Herausforderungen für das laufende Jahr nannten sieben von zehn Unternehmen die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien, jedes zweite Unternehmen nannte den Preisauftrieb bei Energie und 48 Prozent die Zulieferbzw. Lieferkettenproblematik. Nur das Dauerthema Fachkräftemangel (55 Prozent) ist für das oö. Gewerbe und Handwerk ähnlich problematisch. ♦ Anzeige

MÜHLVIERTEL-MAGAZIN | Mai 2022 25 | WIRTSCHAFT Foto: Reisinger Photovoltaik: Es fehlt an Fachleuten und Komponenten Die Energiepreise steigen und steigen, daher boomt auch das Interesse, aus Eigenheimen private „Sonnenkraftwerke“ zu machen. „Wir schaffen den Ansturm an Anfragen nicht mehr, weil uns die Fachleute fehlen. Wir suchen sie vergeblich“, beschreibt Geschäftsführer Ing. Johann Mair von der MSP Solarpower GmbH die momentane Situation. Das 30 Mitarbeiter-Unternehmen aus Feldkirchen ist österreichweit tätig und hat bisher mehr als 6.000 Solarstromanlagen auf Privathäusern, öffentlichen Gebäuden bis hin zu Betrieben und 150 Contracting-Anlagen errichtet. Es gibt darunter auch lokale Gemeinschaftsprojekte, durch die Abnehmer zu günstigerem „Sonnenstrom“ kommen. „Der Trend hin zu Photovoltaikanlagen explodiert, weil darin der Kunde ein Stück Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz und auch von einem allgemeinen Blackout sieht. Nicht nur der Fachkräftemangel bremst, wir haben auch Probleme bei Lieferungen aus Fernost“, blickt Johann Mair skeptisch in die Zukunft, „die Preise für Module sind um 40 Prozent gestiegen, die Transportkosten haben sich verzehnfacht. Wir beziehen natürlich auch Module aus Österreich, aber auch dieser Produzent erhält Komponenten aus Fernost!“ Lieferschwierigkeiten also, unter denen inzwischen viele Branchen bei vollen Auftragsbüchern leiden. In Zukunft will MSP Solarpower daher nicht mehr in ganz Österreich tätig sein für kleine Anlagen. Mehr als zwei Jahrzehnte war elektrische Energie in Hülle und Fülle am Spotmarkt vorhanden, das drückte auf den Preis – Energie war unverschämt billig: „Das Strom sparen ist in dieser Zeit völlig aus der Mode gekommen. Die Corona-Pandemie verstärkte den Trend zur Sauna im Haus, zum Schwimmbad im Garten, zur Wärmepumpe, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern helfen, E-Auto usw. – alles, was Strom braucht“, erzählt Johann Mair aus einer Zeit, in der kaum jemand daran dachte, dass auch der Überschuss einmal ganz schnell in Mangel umschlagen könnte. Weg von Kohle und Öl Viele Länder bemühen sich immer intensiver, elektrische Energie aus den erneuerbaren Quellen Sonne, Wind und Wasser zu gewinnen und sich von fossiler Energie wie Kohle und Erdöl zu verabschieden. Manche setzen weiter auch auf Atomkraft, die von der EU für „grün“ erklärt wird - und damit auf einer Stufe mit erneuerbarer Energie steht. Deutschland aber hat sich auch entschlossen, konsequent aus Kohle und Atom auszusteigen. Strom aus Erdgas soll Lücken schließen. Die Nachfrage lässt den Gaspreis in die Höhe schnellen, der Ukraine-Krieg verschärft die Lage dramatisch. Die zweistelligen Erhöhungen im mittleren Bereich treffen Haushalte und Unternehmen hart. Für äußerst unsozial hält Ing. Johann Mair die Preisgestaltung. „Strom aus Sonne, Wind und Wasser bleibt auch dann günstig, wenn Erdgas sehr teuer ist. Deshalb dürften die Preissteigerungen niemals so hoch ausfallen, wie das derzeit EU-weit der Fall ist“, kritisiert Ing. Johann Mair setzt ganz auf Photovoltaik. Photovoltaik – Meine Zukunft Johann Mair suchte neue Herausforderungen. Die Besteigung des Muztagh Ara (7564 Meter) im Osten von China mit einer bunten Seilschaft unter der Leitung eines Tiroler Bergführers im Jahr 2008 war so eine. Ein Erlebnis, das ihn aufmerksam werden ließ: Auf den Dächern einfacher Berghütten und Juten in 4000 Metern Höhe waren kleine Photovoltaikmodule angebracht, die einzige Möglichkeit, um zu elektrischer Energie für Licht, Radio usw. zu kommen. Ein Zwangsaufenthalt 2000 Meter unterhalb des Gipfels brachte Mair Klarheit: Die Seilschaft wurde Mitten im August eineinhalb Meter hoch eingeschneit. Die Bergsteiger konnten weder vor noch zurück, sie mussten zwei Wochen in ihrem Zeltlager verbringen. „Da blieb viel Zeit zum Nachdenken, für Gespräche, zum Lesen. Ich beobachtete mehrmals den Sonnenuntergang, da reifte in mir der Entschluss: Photovoltaik wird meine neue Herausforderung!“, erzählt Johann Mair. Ein Jahr später gründete er die Firma Mair (MSP) Solarpower. Mair. Stromproduzenten und der Staat sind die Gewinner aus den hohen Strompreisen. Aber auch anderswo, wie z. B. die Wärme aus Biomasse, wird teurer: Deren Preis ist auch an den Index von Gas und Öl gebunden. ♦ -w.r.-