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Mühlviertel Magazin November 2020

18 | LOKALES

18 | LOKALES November 2020 | GUUTE MAGAZIN Der Saatmais aus Feldkirchen a. d. Donau ist ein echter Exportschlager Als Wiege und Zentrum der Saatmaisproduktion in Oberösterreich gilt seit mehr als 50 Jahren das nördliche Eferdinger Becken. Feldkirchner Landwirte entdeckten diese Alternative im Ackerbau. Heuer vermehren 76 Landwirte aus Feldkirchen und Umgebung auf einer Fläche von 575 Hektar Saatmais; das sind mehr als 40 Prozent der Anbaufläche in Oberösterreich. Die Anfänge der Saatmaisproduktion gehen bis 1965 zurück: Damals suchte die Saatbau Linz eine Alternative, weil die Nachfrage nach Saaterdäpfeln stark zurückgegangen war. Im Raum Walding, Ottensheim und Goldwörth wurde erstmals Saatmais auf sechs Hektar vermehrt. Außenstellenleiter Johann Puchner aus St. Magdalena war die treibende Kraft. Die ersten Jahre entpuppten sich aber auch als Lehrjahre. 1970 wurde Maissaatgut aus Oberösterreich sogar als schlecht eingestuft. Nasskaltes Wetter und mangelhafte Trocknung waren schuld, dass ein Teil des Saatgutes in der Erde von einem Pilz befallen wurde und verfaulte. 1971 sollte auf einer Fläche von 200 Hektar Saatmais produziert werden. 54 Feldkirchner Landwirte nutzten die Gunst der Stunde. Ihre herausfordernde Aufgabe war der Bau und die Finanzierung der Trocknungsanlage in Pesenbach. Gründungsobmann war Michael Malfent aus Landshaag, er wurde von den Stellvertretern Ganz ohne Handarbeit geht nichts bei der Saatmaisernte: Falsch befruchtete oder von einem Pilz befallene Kolben werden aussortiert. Franz Rechberger (Pesenbach) und Ernst Rechberger (Vogging) sowie Kassier Josef Allerstorfer (Feldkirchen) unterstützt. Geschäftsführer wurde Johann Puchner. Zahlreiche Exkursionen der wissbegierigen Landwirte prägten die erste Zeit. Ihr Engagement sollte sich bezahlt machen. Ein wichtiges Standbein Inzwischen ist die Produktion von Saatmais zu einem wichtigen Standbein in der Landwirtschaft geworden. Seit 1978 betreibt die Saatbau Linz eine eigene Maiszüchtung. Zentrum ist das Kammerergut mit 145 Hektar Ackerfläche in Schönering (Gemeinde Wilhering). Modernste Maschinen und Labors ermöglichen die Aufbereitung und Prüfung der vielen Kleinund Kleinstmengen aus Zuchtgarten und Isolationsfeldern. 159 Sorten aus der Zuchtstation Schönering sind bereits amtlich registriert. Die Saatbau Linz betreibt auch Winterzuchtstationen in Mexiko und Chile: Dort sind die klimatischen Voraussetzungen mit den europäischen vergleichbar. Der große Vorteil: Dort kann im europäischen Winterhalbjahr Saatmais für unsere Breitengrade erzeugt werden. Den Landwirten sollen die am besten angepassten Maissorten für den Anbau zur Verfügung gestellt werden.

GUUTE MAGAZIN | November 2020 19 | LOKALES Fotos: Reisinger Entscheidend bei der Sortenwahl für den Maisanbau ist der Verwertungszweck, also die Nutzung als Futter, Silo-, Körner- oder Biogasmais, weitere Kriterien sind sichere Ausreife, hohe Ertragsleistung, gute Standfestigkeit. Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge. 90 Prozent des Saatmaises wird exportiert, in erster Linie nach Deutschland, Polen, Frankreich. Die aktuell meistverkaufte Sorte „Danubio“ wird in zehn Ländern angebaut. Maisanbau ist arbeitsintensiv In der Maissaatgutvermehrung wird zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen unterschieden. Das „Entfahnen“ im Juli stellt in der Maisvermehrung eine große Herausforderung „Wir begleiten die Landwirte, leisten auch viel Organisationsarbeit bei der Ernte und machen Kontrollen auf den Feldern, um die hohe Qualität unseres Pro - duktes zu sichern“. CHRISTOPH HOFSTÄTTER GEBIETSBETREUER Mit dem Maispflücker werden die Kolben mit den Körnern geerntet. dar. Beim „Entfahnen“ wird die obere Rispe oder Fahne der weiblichen Pflanze maschinell entfernt. Dadurch wird die Bestäubung durch die männlichen Blütenstände angeregt. Bei Hybridmais wird also die genetische Eigenschaft der männlichen Pflanzen mit der der weiblichen vereinigt. Bei mehrmaligen Nachkontrollen müssen die Landwirte jene Pflanzen händisch „entfahnen“, die nicht maschinell erfasst wurden. Wenn Ende August Blüte und Befruchtung abgeschlossen sind, werden die männlichen Reihen, die nun als Pollenspender ausgedient haben, entfernt. So können ausreichend Licht, Luft, Nährstoffe und Wasser zu den weiblichen Pflanzen gelangen und sich die Kolben gut ausbilden. Mais wird zwischen Mitte September und Allerheiligen geerntet. Die Kolben werden mit Hilfe des Maipflückers aus der Pflanze geholt. Die geernteten Kolben werden von den Bauern in die Trocknungsanlage Pesenbach gebracht. Dort werden die Maiskolben maschinell von den restlichen Blättern vollständig befreit („entliescht“). Dann werden die Kolben händisch kontrolliert; sortenfremde und von Pilzen befallene Kolben werden ausgeschieden. Saatmais wird am Kolben in Boxen 60 bis 90 Stunden bis zu einem Restwassergehalt von 13 Prozent getrocknet. Damit die Keimfähigkeit der Körner erhalten bleibt, darf die Temperatur 40 Grad Celsius nicht übersteigen. Anschließend werden die Körner vom Kolben getrennt („gerebelt“). Die leeren Kolben („Spindl“) sind Dünger oder Heizmaterial. Das Saatgut wird nach Wegscheid oder Geinberg gebracht, gereinigt, kallibriert und in Säcken abgefüllt. Die Abnehmer benötigen für einen Hektar Mais rund 30 Kilogramm Saatgut. Im Raum Feldkirchen sind Christoph Hofstätter und Elisabeth Rathmayr als Gebietsbetreuer der Saatbau tätig. Ihre Aufgabe ist es, die Zonen einzuteilen, in denen jeweils eine Sorte vermehrt wird. Wichtig sind die 200 Meter-Abstände zwischen den Sorten, um eine Vermischung durch Befruchtung zu verhindern. „Wir begleiten die Landwirte und leisten auch viel Organisationsarbeit bei Ernte und Trocknung. Wir machen auch Kontrollen auf den Feldern, das tun auch die Organe der AGES (Agentur für Ernährungssicherheit), um die hohe Qualität unseres Produktes zu sichern“, erläutert Hofstätter. Für die 169 Saatmaisbauern in Oberösterreich ist Wolfgang Aigner aus Weidet der Sprecher: Er vertritt ihre Interessen gegenüber der Saatbau Linz. Obmann der Saatmaisgemeinschaft Feldkirchen ist seit heuer Christian Wiesmayr aus Freudenstein. Die Trocknungsanlage in Pesenbach ist 2009 in das Eigentum der Saatbau Linz übergegangen. In Oberösterreich beträgt die Anbaufläche für die Saatmaisvermehrung 1380 Hektar. Dazu kommen noch Äcker in Niederösterreich, in Kärnten, im Burgenland und in Bayern, also rund 2600 Hektar; davon sind zehn Prozent im biologischen Landbau. Mit den Maisvermehrern schließt die Saatbau Einzelverträge ab; die Kosten fürs Saatgut werden bei Auszahlung der Ernteerträge gegenverrechnet. ♦ Wolfgang Reisinger