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Mühlviertel Magazin November 2021

14 | WIRTSCHAFT

14 | WIRTSCHAFT November 2021 | MÜHLVIERTEL-MAGAZIN Der gesamte Firmenkomplex wird mit Hackgut aus Abbruch- und Restbauholz beheizt. Eine 200 kWp-Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert sauberen Öko-Strom. Kapl Bau: Nachhaltig mit Hausverstand Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden immer wichtiger. In der Unternehmensgruppe Holzhaider-Kapl-Compact ist nachhaltiges Handeln tief in den Unternehmen verwurzelt. Das betrifft einerseits den wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, andererseits ganz gezielte Entscheidungen und Weiterentwicklungen im täglichen Tun. Eine Haltung, aus der oft schon Maßnahmen resultieren, bevor sie gesetzlich vorgeschrieben werden. Bei Holzhaider Bau in St. Oswald bei Freistadt, Kapl Bau in Bad Leonfelden und Compact Immobilien in Linz beschäftigt man sich bereits seit einiger Zeit mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Für Wolfgang Holzhaider, Eigentümer der Unternehmensgruppe mit mittlerweile ca. 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, steht fest, dass sich die Wirtschaft der Herausforderung Klimawandel stellen muss: „Unser Engagement in diesem Bereich sehe ich als gesellschaftliche Verpflichtung aus Respekt vor der Umwelt und der Gesellschaft. Wir als Unternehmen wollen unseren Beitrag zum ressourcenschonenden Handeln sowie zu einem nachhaltigen und wertschätzenden Miteinander leisten. Und das mit Hausverstand.“ Dass das mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist, beweist die Tatsache, dass man in der Unternehmensgruppe eine eigene Nachhaltigkeits-Managerin eingestellt hat. Die Hauptaufgabe von Sophie Tröls ist es, die Ist-Situation zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. Deshalb hat man etwa am „Climate Impact Day“ Ende September teilgenommen: „Wir haben dort viele wertvolle Inputs von unserer Mannschaft bekommen, aber auch interessante Sichtweisen zum Thema Klimawandel von Experten präsentiert bekommen, zum Beispiel von Marcus Wadsak aus der ORF-Wetterredaktion“, sagt Tröls. Von Photovoltaik bis Papier In manchen Bereichen ist man bereits sehr gut aufgestellt, was Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit betrifft: Das neue Firmengebäude von Kapl Bau wird etwa mit Biomasse beheizt, die aus Abbruch- und Restbauholz gewonnen wird. Auf den Dächern ist eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 200 kWp installiert, zudem ist die gesamte Beleuchtung am Firmengelände in LED-Technik realisiert worden. Auch der Umstieg in Richtung Elektromobilität wurde in Angriff genommen: „Wir haben für unsere Bauleiter fünf Elektroautos angeschafft, bis zum Frühjahr kommen noch weitere 15 hinzu. Auf unseren Anzeige Fotos: Mühlviertel Magazin/Enzenhofer

MÜHLVIERTEL-MAGAZIN | November 2021 15 | WIRTSCHAFT Ein Paradebeispiel für ökologisch nachhaltiges Bauen: Zum Video-Bautagebuch Umbau Gasthof Waldschenke 3 Fragen an Nachhaltigkeits-Managerin Sophie Tröls Wie geht man das Projekt an, ein Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern nachhaltiger und klimaschonender zu machen? Ich habe mir zuallererst den Status Quo angesehen. Es wird ja in der Unternehmensgruppe in vielen Bereichen schon nachhaltig gedacht und gehandelt. Vor allem Regionalität hat großen Stellenwert und das ist ja auch ein zentraler Aspekt von nachhaltigem und zukunftsorientiertem Wirtschaften. Im nächsten Schritt machen wir uns jetzt über Verbesserungsmöglichkeiten Gedanken bzw. haben wir in manchen Bereichen schon wirksame Maßnahmen gesetzt. Wie sehr tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Bemühungen mit? Die Bereitschaft zur Veränderung ist allgemein sehr groß. Die Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit können auch nur von allen gemeinsam getragen und durch Zusammenarbeit erreicht werden. Welche Maßnahmen treffen Sie privat, um den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz gerecht zu werden? Viele. Das reicht von der Ernährung bis zum allgemeinen Konsumverhalten. Ich lege Wert auf regionale und saisonale Lebensmittel, achte darauf, wo meine Kleidung produziert wird und versuche, meine Besitztümer möglichst lange zu verwenden und im Falle zu reparieren, statt gleich durch etwas Neues zu ersetzen. Fünf E-Autos sind bei Kapl Bau bereits im Einsatz, 15 weitere werden bis zum Frühjahr angeschafft. Die Ladeinfrastruktur wurde ebenfalls bereits umgesetzt. Parkplätzen haben wir dafür bereits die entsprechende Lade-Infrastruktur mit insgesamt zehn Ladepunkten geschaffen“, sagt Kapl-Geschäftsführer Alexander Gruber. Auch an kleineren Stellschrauben habe man gedreht: „Wir verwenden nur mehr nachhaltig hergestelltes Drucker- und Hygienepapier, werden beim Kaffee im Büro auf Fair Trade-Waren umsteigen und beziehen unsere Arbeitskleidung von österreichischen Firmen und nicht von Billig-Produzenten aus Fernost.“ Seit Kurzem ist Kapl Bau zudem Klimabündnis-Betrieb und damit Mitglied im europaweit größten Klimaschutz-Netzwerk: „Damit verpflichten wir uns selbst zur Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen.“ Regionalität als großes Plus Regionalität spielt in der Unternehmensgruppe Holzhaider-Kapl-Compact eine große Rolle. Nicht nur, weil fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der unmittelbaren Umgebung der Firmenstandorte kommen. Auch die Bauvorhaben, die man umsetzt, liegen zu über 90 % in der Region zwischen Freistadt, Bad Leonfelden und dem Großraum Linz. Dazu kommt, dass man fast ausschließlich mit regionalen Partnerbetrieben zusammenarbeitet. „Dadurch ist sowohl der Weg zur Arbeit als auch der Anfahrtsweg zu den Baustellen kürzer“, sagt Johann Amerstorfer, Geschäftsführer von Compact Immobilien. Wo immer es möglich ist, setze man zudem auf regionale Lieferanten von Baustoffen – etwa beim Bauholz. Die Verwendung von klimaschonenden und recyclingfähigen Baumaterialien wird ebenso forciert. Bei eigenen Immobilienprojekten sei das einfacher, räumt Amerstorfer ein: „Vielen privaten Kunden sind die Kosten für nachhaltige Baustoffe einfach noch zu hoch. Hier müsste man mit lukrativen Förderungen ansetzen, um nachhaltige Baustoffe für den privaten Wohnbau noch interessanter zu machen.“ Wolfgang Holzhaider, Alexander Gruber und Johann Amerstorfer sind sich bewusst, dass die Baubranche für unsere notwendigen Gebäude und die Infrastruktur einen großen CO2-Fußabdruck verursacht und in punkto Nachhaltigkeit noch Luft nach oben ist. „Gerade deshalb haben wir das Ziel, uns in allen möglichen Bereichen mit Hausverstand zu verbessern.“ ♦